Ja, ich arbeite noch mit Ruby on Rails (booooo), und ich muss ehrlich sagen, ich liebe es. Die Gründe? Viele! Aber darauf werde ich später eingehen. Aber egal wie man zu Ruby on Rails steht, eins ist klar: es ist inzwischen eine Nische, also zumindest im Vergleich zu den JavaScript-Frameworks. Klar, viele bekannte Namen (Shopify, GitHub etc.) nutzen noch Ruby on Rails, aber meistens noch irgendwo tief im Core. Große Teile, wie zum Beispiel das Frontend, wurden schon längst durch React oder Next ersetzt. Deswegen die Frage, warum sollte man Ruby on Rails heutzutage noch benutzen?
Wichtig: Ich werde Ruby on Rails im Artikel nur Rails nennen. Ruby ist die Programmiersprache hinter Rails

Was ist eigentlich Rails
Ruby on Rails, oft einfach nur Rails genannt, ist ein Open-Source-Webframework, das in der Programmiersprache Ruby geschrieben ist. Seit seinem Erscheinen im Jahr 2004 hat es die Art und Weise, wie moderne Webanwendungen gebaut werden, revolutioniert. Das Ziel von Rails ist simpel, aber ambitioniert: Entwicklern dabei zu helfen, komplexe Anwendungen mit deutlich weniger Code und in kürzerer Zeit zu erstellen als mit anderen Technologien.
Rails basiert auf zwei zentralen Philosophien, die es so effizient machen:
- Convention over Configuration (Konvention vor Konfiguration): Rails trifft intelligente Standard-Entscheidungen für dich. Anstatt endlose Konfigurationsdateien zu schreiben, folgt das Framework bewährten Mustern. Solange du dich an diese Konventionen hältst, „weiß“ Rails automatisch, was zu tun ist.
- Don’t Repeat Yourself (DRY): Jedes Stück Information und jede Logik sollte innerhalb eines Systems nur einmal existieren. Das macht den Code sauberer, wartungsarmer und weniger anfällig für Fehler.
Dank seiner MVC-Architektur (Model-View-Controller) trennt Rails die Daten, die Logik und die Darstellung strikt voneinander.
Wie bin ich zu Rails gekommen?
Es ist eigentlich einfach: nicht ich habe Rails ausgesucht, sondern Rails mich (wie der Zauberstab bei Harry Potter).
Wir hatten an der Uni eine Vorlesung, in welcher wir eine Software umsetzen mussten. Technologisch gab es drei Bedinungen:
- Rails
- Hosting auf Heroku (durch den Studenten-discount war es für so eine kleines Projekt kostenlos)
- SQLite3 als Datenbank
Warum das ganze? Naja, der Professor mochte eben Rails und es ging darum den Prozess hinter der Entwicklung einer Software zu verstehen und nicht, dass man dann monatelang nur einem Bug nach dem anderen hinterherrennt, weil sich Datenbank und Framework nicht verstehen.
Nun ja, ich fand es so toll, wie schnell man mit Rails eine funktionsfähige Plattform bauen kann und vor allem, wie gut Vibecoden funktioniert, dass ich später sogar ein anderes Projekt darauf aufgesetzt habe. Das Projekt ist bis heute immer noch 100% auf Rails. Aber genug dazu, kommen wir jetzt zu dem Teil, warum du überhaupt auf den Artikel geklickt hast.
Konkurenzdruck
Rails hat die Webentwicklung revoluzioniert. All-in-one Framework, in dem du das Frontend und das Backend verwalten kannst, ist ja zu schön um wahr zu sein. Deswegen dauerte es nicht lange, bis Konkurenz aufgekommen ist. Laravel auf PHP, Django auf Python oder next.js auf Javascript. Heißt, Ruby on Rails muss sich den Markt teilen. Und da kommt noch ein anderes Problem: an den wenigsten Universitäten oder Ausbildungsbetrieben wird noch Ruby gelehrt. Wenn man schon mit JavaScript arbeiten kann, dann steigt man lieber bei next.js ein, als eine neue Programmiersprache zu lernen, nur um ein bestimmtes Framework zu beherrschen.
Das Ruby-Ecosystem
Gefühlt jede Stunde erscheint ein neues Javascript Framework, Python ist der Champion in KI und Wissenschaft, PHP ist…naja…ist wie die Band, die seit 20 Jahren auf Abschiedstournee ist, aber irgendwie immer noch in den Charts auftaucht. Und Ruby? Fällt dir da ein bekanntes Framework ein? Das ist leider auch ein Problem zum Nachteil von Rails. Wenn ich zum Beispiel eine neue KI mit Python aufsetze, warum sollte ich mir die Mühe machen und dann noch schauen, wie ich Ruby und Rails in den Prozess involvieren kann, wenn Python mir ja mit Django schon direkt die Lösung bietet?
Monolith-Monster
Monolithen…für Software-Architekten schlimmer als jeder Horrorfilm. Während du bei einer Microservice-Architektur eine neue Datenbank dranhängst und im besten Fall alles weiterhin so läuft wie davor, musst du bei Rails die Architektur von Grund auf sauber planen, statt einfach nur neue Services dranzuklatschen. Aber hier kommt meine eigene Meinung: Deine persönliche Plattform ist nicht Amazon oder Google, wo tausende verschiedene Services perfekt miteinander kommunizieren und skalieren müssen. Solange man jetzt nicht einen Milliardenkonzern aufbauen will, ist ein Monolith kein Problem. Und vor allem am Anfang bleiben durch die monolithische Architektur viele Kopfschmerzen erspart.
Löscht Vibecoding Rails aus?
Vibecoding ist der Endgegner der Rails-Magie. Warum sollte ich mich noch an strenge Konventionen halten, wenn ein LLM mir auch den schlimmsten Spaghetti-Code in Sekunden mundgerecht serviert? Die exklusive Geschwindigkeit, mit der Rails Jahrzehnte lang gepunktet hat, ist durch KI demokratisiert worden. Wer nur ‚vibet‘, dem ist die Eleganz unter der Haube egal.
Doch hier verbrennen sich die KI-Jünger die Finger: Vibecoding auf Treibsand funktioniert nicht. Wenn die KI halluziniert, bist du in einem Framework ohne klare Regeln verloren. Rails ist in dieser neuen Welt kein Hindernis, sondern der Sicherheitsgurt. Während andere noch versuchen, ihre generierten Puzzleteile zusammenzukleben, liefert Rails das fertige Brett mit. Vielleicht löscht die KI Rails nicht aus…sie entlarvt nur die Architekten, die ohne stabilen Unterbau bauen.
Fazit: KI löscht Rails nicht aus, es macht gute Rails-Entwickler noch besser.
Die Frage der Fragen: soll ich noch Ruby on Rails lernen?
Vielleicht dachtest du es schon: Ja!
Es hat nämlich Vorteile, die man auf den ersten Blick nicht so sieht:
- Rails ist 2004 erschienen, also sie hatten mehr als genug Zeit sich zu entwickeln und sie haben sich bewährt. Wenn ein Framework seit über 20 Jahre existiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass es mindestens noch die nächsten 10 Jahre existieren wird
- Ruby ist sehr anfängerfreundlich. Klar, man fragt sich vielleicht was ist, wenn das eigene Projekt mal größer wird und eine virtuelle Maschine nicht mehr ausreicht und man stattdessen schauen muss, wie man eine effektive Infrastruktur aufsetzt. Aber da bist du am Anfang weit entfernt. Mit Ruby on Rails kannst du schnell und einfach erste MVPs bauen, ohne dass du erst ein halbes Jahr schauen musst, wie du die ganzen Microservices zusammenfügst.
- Klar, du findest jetzt nicht so viele Jobs, wo du unbedingt Ruby on Rails kennen musst, aber wenn doch: Glückwunsch, du hast ausgesorgt! Naja, das war jetzt natürlich etwas übertrieben. Aber es ist Fakt: Es gibt noch viele Plattformen, die auf Ruby on Rails laufen und natürlich braucht man Menschen, welche diese weiterentwickeln können. Und Rails-Entwickler werden immer seltener
- Und natürlich der wichtigste Faktor: Vibecoding. Es funktioniert. Und das richtig gut. Natürlich einerseits dadurch, dass es die Sprache schon so lange gibt und dementsprechend genug Trainingsmaterial existiert, andererseits liefern Errors bereits die genaue Information, wo der Fehler liegt. Glaubt mir, ich war selbst erstaunt, als ich Fehlermeldungen ChatGPT gegeben habe (also ohne, dass es die ganze Codebase ist) und es mir gesagt hat, wo der Fehler ist und was für ein Fehler es ist, weil es alles bereits detailliert in den Logs stand.
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Quellen
https://www.bacancytechnology.com/blog/ruby-on-rails-statistics-and-facts
https://medium.com/@stewteh698/rails-today-54b13419b13a
https://medium.com/@nehanakrani004/why-i-love-ruby-on-rails-for-web-development-5c7a9de27baa
https://paolino.me/ruby-is-the-best-language-for-ai-apps
https://www.reddit.com/r/rails/comments/17qvwsz/my_thoughts_on_the_rise_and_fall_of_ruby_on_rails/
https://elazzabi.com/2020/09/01/why-the-majority-of-developers-hate-ruby-on-rails/

